„Mes vaches“
Die Kühe *---> *Video am Ende
Seit ich hier wohne, (das ist schon eine ganze Weile her) habe ich von einem der Küchenfenster aus Sicht auf eine Stück Weide mit grasenden Kühen, links im Bild ein abbruchreifer Vorbau vom alten Gehöft , dahinter dem Stall, einem unschönen Getreidesilo, gradeaus und weiter nach rechts sieht man einen Teil der Weide, (ung. 400m tief) in verschiedenen versetzten Stücken nach hinten auslaufend und links aus dem Blickfeld verschwindend.
Damals (aus der Stadt kommend) war ich entzückt über so viel Natur direkt vor dem Fenster. Die Sommerferien hatten grade begonnen und die Sicht auf die im Gras ruhenden und wiederkäuenden Kühe war Erholung pur. Die Kühe gehörten zur Aussicht, d. h sie waren da, so wie eben das Gras, die Bäume, die Stallungen der Weidezaun, Regen, Sonne und Wind, sie gehörten zum „Bild“, nur das sie sich duch die Landschaft fortbewegten, mal waren sie nah, - dann wieder weiter im Hintergrund oder unsichtbar (um die Ecke). Es ist interessant zu verfolgen, wie die Gruppe der grasenden Kühe sich fortbewegt: oft stehen sie eng beieinander, dann lockert sich die Gruppe, teilt sich auf; meist aber bleiben sie mehr oder weniger parallel, beschreiben grade Linien, ovale bis kreisförmige Bogen , die kleinen Gruppen lösen sich auf, bilden eine neue Konfiguration und neue Formgebilde. Würde man diese forman auf Papier zeichnen, könnte es sein, dass das Ergebnis einer Eurythmie-Formenzkizze ähnelt...
Die Kühe blieben Tag und Nacht draussen, wurden nicht gemolken.
Von Zeit zu Zeit verschwand eine - oder mehrere von ihnen - man sah sie erst nach einer gewissen Zeit wieder....mit „Reissverschluss“- so nannte ich sie, „les vaches à tirette“-die Kühe mit den Kaiserschnitt-Narben. Die Kälber sah man nie. *(Anmerkung am Ende)
Von April bis ung. Ende November waren Kühe draussen. Erst wenn es richtig kalt und nass blieb „durften“ sie in den Stall, wo sie den Winter über eng neben-einander angebunden in Reih und Glied „standen“. Nun wa ren sie nicht mehr im Blickfeld, waren aber doch „da“. (lautstark zu Fütterungszeiten).
Im Flug der Jahreszeiten und der vorbeigehenden Jahre erschienen und verschwanden die Kühe. Mit der Zeit erkannte ich jede an den verschiedensten Merkmalen: an den Formen der Euter, (die zum Teil ulkig aussahen), der Hörner und des gesamten Körperbaus. Im Lauf der Jahre sah man die Kuhdamen auch altern.(!) Oft kamen jüngere Kühe dazu, aber die alte Garde blieb. 1-2 Jungstiere waren auch dabei, schienen aber keine ‚’spezielle’ Funktion zu haben.
Im vergangenen Frühling jedoch schien alles verändert, die Kühe kamen später als alle anderen in der Umgebung, die Truppe war auf 9 Kühe geschrumpft. Nach einiger Zeit wurde deutlich, dass sie trächtig waren. Wieder verschwanden und erschienen sie, mit „Reissverschluss“, nur kamen diesmal nicht alle zurück. Eines Tages hörte ich vom Hof herkommend Traktorgeräusche, dumpfes Gerumpel und sah plötzlich über einer Mauer auftauchend einen Tierleib, alle viere von sich gestreckt, kugelrund, im Greifarm des Traktors, der Arm öffnete sich und der Leib fiel schwer in einen für mich unsichtbaren Anhänger. Danach fuhr der Traktor mit Anhänger fort.
Die Truppe war sichtlich geschrumpft. Ende November waren alle Kühe von der Weide geholt, nur, was ich nicht verstehen konnte, blieb der Stall, wo sie sonst den Winter verbrachten, leer.
Der Frühling 2008 begann, die Weiden in der Umgebung wurden vorbereitet, „meine“ Weide bleib unverändert , das Gras begann schön zu wachsen,- für wen?
(Es gab Gerüchte über Bau-und Geländeverteilungen). Abwarten und hoffen!
Eines Tages jedoch merkte man Veränderungen; die Weide wurde gedüngt, nach einiger Zeit sah ich jemanden die Zäune ablaufen und den Strom kontrollieren...Hoffnung keimte...(Die Gerüchte über Bau-und Geländeverteilungen schienen ausser Gefahr).
Dann, eines Tages: sehr früh morgens: Traktorgeräusche, Gerumpel, Muhen!!!.....Ahaaaa....und dann erschienen sie im Blickfeld!! Die KÜHE!!! wie jedesmal nach einer Winterpause stürmen die Kühe auf die Weide, eine nach der anderen, rennen in alle Richtungen, machen Bocksprünge, sogar elegant bis possierlich, galoppieren erst unbeholfen und dann sehr flott grosse und kleinere Runden ( ich habe noch keine Kuh traben gesehen), um nach kurzer Zeit einfach nur zu grasen....
Es waren diesmal mehr Kühe und- ich „erkannte“ keine einzige-....auch sahen sie schon jetzt gut genährt aus....eine andere Rasse? Was war mit den anderen?
Nach einigen Tagen kamen noch neue Kühe dazu, die , das selbe Ritual von Bocksprüngen und Galopprunden ausführend, von der Herde richtg „begrüsst“ wurden.
Von meinem Küchenfenster aus habe ich nun wieder den bekannten und erholsamen Ausblick auf: „glückliche Kûhe in reiner Natur“, für ein Reklameposter gut geeignet.Den Hintergedanken an die Wirklichkeit „vergesse“ ich mal.. R.STEINER:
Ich nehme an, dass diese neuen Kühe ebenfalls“ Fleischkühe“ sind, d.h. sie werden nie gemolken, müssen nur ihr Leben lang Kälber „abliefern“ und erst wenn sie zu alt sind werden sie selbst geschlachtet. (siehe Fussnote2)
Bei den Aufnahmen für diesen kleinen Film war ich dicht bei den Tieren und konnte das Geräusch der „grasenden Herde“ richtig gut wahrnehmen, das Gras war ziemlich lang und das Geräusch der abgrasenden Mäuler ähnelt seltsamerweise an das Schlürfen oder Aufsaugen von Nahrung! Sogar grosse Disteln werden "eingeschlürft"...Und, -rein zufällig - fand ich eine Passage bei R.Steiner, die darüber berichtet! (siehe weiter unten)
Diese neue Herde habe ich richtig ins Herz geschlossen. Der Blick der netten jungen Kuhdame am Ende des Films berührt mich! Ich wünsche ihnen allen ein schönes glückliches Kuh-Leben, und werde mich immer an ihnen erfreuen!
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Fussnote
Fleischkühe: =a)Zucht von Schlachtkälbern
Milchkühe:=b) Produktion von Milchkühen
bei beiden Programmen ist der verlauf gleich:
Nach dem Kaiserschnitt wird die Kuh sofort wieder künstl. befruchtet.
Ob das Kalb die erste „Biestmilch“ bekommt, hängt vom Zuchtprogramm ab.
Milchkälber:
Das Kalb wird sofort auf Muttermilch-Ersatz umgestellt, und nach einigen Wochen an Kraftfutter, Magermilch und Heu gewöhnt. Die weiblichen Kälber werden später genau wie ihre Mütter für die Milchproduktion genutzt, d.h. auch sie werden mehrfach in Folge geschwängert um genügend Milch zu bilden, die der Mensch dann entnimmt.
Schlachtkälber und die männlichen Kälber dagegen werden gemästet, bis sie ein Gewicht von etwa 160 bis 180 Kilogramm erreichen, und landen anschließend als Kalbsfleisch auf den Tisch der Konsumenten. Geschieht dies nicht, so werden sie als Mastbullen bis 500-600 Kilogramm Lebendgewicht weitergemästet und daran anschließend geschlachtet. Das ist ihr einziger Zweck. Bei einem hohen Verbrauch von Futter und Wasser können Mastbullen täglich etwa ein Kilogramm an Körpergewicht zulegen .
Die Nahrungsaufnahme bei der Kuh ist kein Drama, sondern ein Akt der liebevollen Zuwendung, wenn wir beobachten, wie das Gras oder das Heu genommen wird: Mit der Zunge umschlungen und in das Mau gezogen – es wird nicht abgebissen. Und damit beginnt bereits die Verdauung. Ein grandioser Prozess!
Die Nahrung gelangt zunächst in den Pansen, wo sie durch langsame Kontraktionen „durchrhythmisiert“ wird. Ist der Pansen halb gefüllt, beginnt nach einer halben bis einer Stunde das Wiederkäuen, die 2. Etappe der Verdauung: Aus dem Pansen bzw. dem Netzmagen kommen anfänglich verdaute Portionen der Pflanzen in die Mundhöhle zurück. Eine nächste Stufe der Verdauungsrhythmisierung durch das gleichmäßige Vermahlen mit den Backenzähnen hat begonnen.
Danach gelangt die Nahrung in den Blättermagen, wo ihr ein Großteil der Verdauungssäfte entzogen wird. Im Labmagen schließt sich die Auflösung mit neuen Verdauungssäften an. Täglich werden bis zu 100 Liter Verdauungssäfte gebildet.
Der gesamte Vorgang des Wiederkäuens über einen Tag hin dauert ungefähr 8 Stunden, - und 8 Stunden grast die Kuh, wobei die Verdauung natürlich in den anderen Mägen und im Darm fortgesetzt wird. Die Kuh ist nun von vorn bis hinten an die Umwandlung der aufgenommenen Substanzen hingegeben. Dabei werden ungeheure Speichelmengen produziert (110 -180 Liter). So sind die Speicheldrüsen auch um ein Vielfaches größer als das Gehirn. Die Sinnesbezogenheit der Kuh ist ganz auf diesen Prozess der Nahrungsaufnahme und Verdauung hingewandt.